Stimmung / Wirkung

Zu Besuch im Otelo Vorchdorf

Am Vormittag ist der erste akustische Eindruck Kleinkindlachen und -weinen. Dazwischen eifriges Getrappel und Erwachsenenstimmen. Es ist die Baby-Elterngruppe im großen Raum und Eltern sowie Kleinkinder gehen ihren Spiel- und Kommunikationsbedürfnissen nach. An der Wand ein großer Baum, auf dem für jede/n neue/n ErdenbürgerIn ein frisches Blatt sprießt – mit Foto und Name. Im Nebenraum geht es dafür konzentriert zu. Da sitzen drei Personen mit ihren Notebooks zusammen und entwickeln ein gemeinsames Projekt weiter. Mit Jugendlichen soll das Thema Smart-Realities unter Einbindung von Smartphones actionreich und trotzdem hinterfragend bearbeitet werden.

Etwas später kommt keuchend aber offensichtlich gut gelaunt Susi vorbei. Sie bringt einen großen Karton mit Stoffresten, geht kurz grüßend die Runde – leider heute ist keine Zeit für einen Kaffee, aber kommt doch am Samstag zum Näh-Cafè, dann gerne – und eilt wieder davon. Bettina, die Sprecherin des Standortes trifft mittags für kurze Zeit ein. Am Vorabend war eine Frag den Freak Veranstaltung zum Thema Lawinen, der Küchenbereich im Sozialraum ist noch nicht wieder fertig aufgeräumt und das geht sie vor ihren nächsten beruflichen Terminen nun an. Gläser klirren, Wasser rauscht und Küchenschranktüren klappern. Dann rauscht bald nur noch der Geschirrspüler, denn mit Bettina haben sich auch die kleinen und großen Menschen mit viel Lärm verabschiedet.

Am frühen Nachmittag ist es recht ruhig. Ich schlendere durch die Räume, die teilweise ordentlich und teilweise chaotisch sind. An einer großen Wand hängt ein gehaltvolles Graphic Recording Plakat einer Veranstaltung, die sich mit der Frage, ob Oberösterreich kein Silikon Valley werden soll, beschäftigt hat. Ich finde darauf Schlagworte, wie teilen, kooperieren und gemeinsames Experimentieren und viele weitere Begriffe. Im Vorraum kleine Plakate mit dem Veranstaltungsprogramm der letzten Monate. Ich genieße die relative Ruhe und spüre hinter die Geräusche und Aktivitäten des Vormittags. Ich fühle mich wohl und willkommen.

Dann kommt aber wieder jemand ins Otelo, eine Lehrerin der örtlichen NMS, sie bespricht einen 3D-Druck Workshop, der demnächst stattfinden soll. Ab 15:00 Uhr herum „fallen“ dann die Blitzkneißer ein – eine altersmäßig bunt gemischte Gruppe von ca. 11 bis 74 Jahren, deren Mitglieder eines gemeinsam haben, die Lust an der Elektronik. Sie arbeiten weitgehend in einer kleinen Werkstatt, ihrem „Node“, wie sie stolz erklären. Sie tüfteln gemeinsam an Herausforderungen, mit denen einzelne nicht zurechtkommen und binden die Jugendlichen wie selbstverständlich ein. Die arbeiten an einfacheren Projekten wie Schaltungen oder sortieren auch einfach mal verschiedenes Zubehör in Boxen – freiwillig versteht sich. Die Aktivitäten sind von Geplauder und Lachen, manchmal auch ungeduldigen Ausrufen, wenn es grad einmal gar nicht funktionieren will, begleitet. Außerdem erzählen sie mir von anderen Standorten, was dort für Projekte und Gruppen laufen – CSA-Projekt-Ausgabestelle, Transition Group, Kost Nix Laden, Blau-Druck Werkstatt, elektrische Energie aus Schneckenschleim und vieles mehr! Eine beeindruckende Fülle für Neulinge. Sie vermitteln mir aber auch glaubhaft, dass es selbstverständlich auch ganz stille Tage und Abende im Otelo gibt: „Wir sind in unserer Freizeit hier.“
Später um 17:00 Uhr kommen dann noch ein paar Menschen – die Altersspanne wieder von Kind bis Senior - um zu drechseln, dafür kann der Werkraum der Schule genutzt werden. Zusätzlich tauchen ein paar Jugendliche auf, sie haben nichts Besonderes vor, sie kommen für eine Weile, weil sie wissen, dass Leute da sind, dass etwas los ist. Sie plaudern, spielen Computer und hecken Ideen aus, von denen sie selbst nicht wissen, ob sie sie jemals umsetzen werden. Alleine schon, sich auszumalen, wie es wäre macht Freude und belebt die Vorstellungskraft und ruft Begeisterung hervor. Offensichtlich genießen sie auch den Austausch mit den Erwachsenen, die im Vorbeigehen immer wieder ein paar Worte mit ihnen wechseln.

Um 19:00 Uhr verebbt die Aktivitätswelle wieder etwas und ich nutze die Gelegenheit, mich gemeinsam mit anderen zu verabschieden. Ich fühle mich schon zugehörig, verabschiede mich wie von FreundInnen, obwohl ich die meisten Menschen zum ersten Mal getroffen habe. Der Besuch hat mich bereichert, dabei war ich selbst nicht gerade aktiv. Otelo wirkt. Ich kann es nur weiter empfehlen.

(Hannelore Hollinetz)